Die Kosten von Kinderwunschbehandlungen für die Eltern um die Hälfte zu senken, könnte die Geburtenrate erheblich steigern. Foto: lilo/stock.adobe.com
Eine aktuelle Studie hat den Zusammenhang zwischen den Kosten pro Lebendgeburt durch assistierte Reproduktionstechniken (ART), dem mittleren Haushaltseinkommen und dem Zugang zu diesen Kinderwunschbehandlungen untersucht. Denn finanzielle Hürden gelten weltweit als Haupthindernis für den Zugang zu ART. Frühere Studien haben die Erschwinglichkeit in einzelnen Ländern untersucht und Zusammenhänge zwischen der Kostenübernahme durch öffentliche Stellen oder Versicherungen und der Inanspruchnahme der Behandlung aufgezeigt. Es mangelte jedoch an standardisierten, länderübergreifenden Vergleichen, die sowohl die Bruttobehandlungskosten als auch die Kosten für die Familien nach Abzug von Versicherungsleistungen, staatlichen Zuschüssen und Steuervorteilen berücksichtigen.
Den Zusammenhang zwischen der relativen Erschwinglichkeit (Kosten im Verhältnis zum mittleren Haushaltseinkommen) und der ART-Inanspruchnahme zu ermitteln, soll die Entwicklung evidenzbasierter politischer Empfehlungen zur Verbesserung des weltweiten Zugangs zu Fruchtbarkeitsbehandlungen ermöglichen.
Studiendesign und Methoden
Die Daten stammen aus öffentlich zugänglichen ART-Registern und Wirtschaftsdatenbanken im Zeitraum 2021–2023 und decken 25 Länder oder Regionen ab, auf die mehr als 95 % der weltweiten ART-Zyklen entfallen. Wirtschaftsdaten wurden von der OECD, der Weltbank und nationalen Statistikämtern bezogen.
Die Kosten pro ART-Geburt wurden auf der Grundlage der gewichteten durchschnittlichen Anzahl von Zyklen bis zur Lebendgeburt sowie von Erhebungen zu Klinikgebühren berechnet. Die durchschnittlichen Nettokosten pro ART-Geburt wurden als Prozentsatz des mittleren verfügbaren Haushaltseinkommens (nach Steuern) in der jeweiligen Region berechnet, wobei die Kostenübernahme durch private oder gesetzliche Versicherungen, Zuschüsse sowie Steuerabzüge berücksichtigt wurde.
Die Inanspruchnahme wurde anhand des Anteils der ART-Geburten sowie der Inzidenz von ART-Geburten pro 1.000 Frauen im reproduktiven Alter beschrieben.
Wichtigste Ergebnisse
Die Ergebnisse zeigen große internationale Unterschiede: Die Bruttokosten pro ART-Geburt reichten von 75 % des mittleren Haushaltseinkommens in Spanien bis zu etwa 300 % in Südafrika und Indien. Die Nettokosten reichten von etwa 25 % in Israel und Japan bis zu über 250 % in Südafrika und Südostasien.
Eine Potenzregressionsanalyse zeigte einen deutlichen umgekehrten Zusammenhang zwischen der finanziellen Erschwinglichkeit und der Inanspruchnahme. Regionen mit Nettokosten von unter 50 % verzeichneten die höchsten ART-Raten: Israel (9,0 %), Japan (9,3 %), Spanien (11,7 %) sowie Taiwan und China (12,0 %). Regionen mit mittlerem Zugang (Australien/Neuseeland 5,5 %, Westeuropa (3,9 %) wiesen Nettokosten zwischen 40 % und 100 % auf. In Regionen mit eingeschränktem Zugang, wie den USA (2,5 %) und Lateinamerika (<1 %), überstiegen die Kosten 75 % des Haushaltseinkommens.
Der beschriebene Zusammenhang impliziert, dass eine Senkung der Nettokosten um 10 % mit einer um etwa 14 % höheren Inanspruchnahme einhergeht. Eine Halbierung der Kostenbelastung lässt einen 2,6-fachen Anstieg der ART-Geburten pro 1.000 Frauen im reproduktiven Alter erwarten.
Schlussfolgerungen
Die finanzielle Erschwinglichkeit erweist sich als entscheidender limitierender Faktor für den Zugang zu ART-Behandlungen. Eine Senkung der von Patient:innen zu tragenden Nettokosten pro ART-Geburt auf unter 50 % des mittleren Haushaltseinkommens könnte die Inanspruchnahme erheblich steigern.
Die Hautautorin Dr. Stephanie Kuku betont: »Unsere Analyse basiert auf den Kosten pro Kind und nicht auf den Kosten pro Zyklus, was den Bedürfnissen der Patientinnen entspricht.« Die Daten zeigten eindeutig, dass Länder, die mehrere Zyklen finanzieren, eine höhere Inanspruchnahme erzielen. Beispiele hierfür seien Japan, wo bis zu sechs Embryotransfers von der gesetzlichen Krankenversicherung abgedeckt seien, und Israel, wo eine unbegrenzte Anzahl von Zyklen bis zu zwei Lebendgeburten finanziert werde.
A., & Adamson, G. D. (2026). Cost-to-baby as a percentage of median household income predicts population-level access to assisted reproductive technology (ART): A global health economics analysis of affordability. Human Reproduction, 41 (Suppl. 1), deag083.216. https://doi.org/10.1093/humrep/deag083.216 · Deutsches Ärzteblatt, 27.7.2026 · DHZ
