Die aktuelle Leitlinie zur Allergieprävention empfiehlt, Kleinkindern im Rahmen der Beikost hartgekochtes Ei oder verbackene Eiprodukte zu geben. Foto: © Arkady Chubykin/stock.adobe.com
Allergien gegen Hühnereiweiß zählen zu den häufigsten Nahrungsmittelallergien bei Säuglingen. Deshalb hieß es früher, allergiegefährdete Kinder sollten möglichst spät Eier und eihaltige Lebensmittel essen. Nach Erkenntnissen, dass eine frühere Einführung von Hühnerei das Risiko für eine Allergie senken könne, wurden jedoch weltweit Leitlinien zur Allergieprävention aktualisiert.
Eine australische Querschnittsstudie hat nun untersucht, ob diese Leitlinienänderung die Prävalenz der Hühnereiweißallergie verändert hat.
Studiendesign
Die Studie verglich zwei australische populationsbasierte Stichproben von einjährigen Säuglingen aus der Zeit vor der Aktualisierung der Leitlinien (n = 5.276 in den Jahren 2007–2011) und danach (n = 1.933 von 2018–2019). Um den Zusammenhang zwischen der Veränderung der Prävalenz der Hühnereiweißallergie und der Leitlinienänderung zu isolieren, wurde eine direkte Regressionsstandardisierung angewandt. Damit wurde geschätzt, wie hoch die Prävalenz in der Stichprobe von 2018–2019 gewesen wäre, wenn die Verteilung bekannter Risikofaktoren derjenigen der Stichprobe von 2007–2011 entsprochen hätte.
Fehlende Daten wurden mittels multipler Imputation behandelt. Es wurden vorab festgelegte Subgruppenanalysen für Säuglinge mit frühzeitigem Ekzem sowie eine Stratifizierung nach dem Geburtsland der Eltern durchgeführt. Die Datenanalyse erfolgte zwischen März 2025 und März 2026.
Daten zu demografischen Merkmalen, Risikofaktoren für Lebensmittelallergien, der Einführung von Hühnerei sowie allergischen Reaktionen wurden mittels Fragebögen erhoben. Wichtigste Zielgrößen und Messmethoden: Bei den Säuglingen wurden Haut-Prick-Tests auf Hühnerei durchgeführt – bei positivem Ergebnis folgte eine orale Provokationstestung.
Ergebnisse
Nach Bereinigung um bekannte Risikofaktoren für Allergien sank die Prävalenz der Hühnerei-Allergie von 9,2 % (2007–2011) auf 7,6 % (2018–2019) (adjustierte absolute Differenz: −1,6 [95-%-KI: −3,3 bis −0,005] Prozentpunkte). Bei Säuglingen mit früh auftretendem Ekzem sank die Hühnereiallergie-Rate von 34,6 % auf 21,9 % (adjustierte absolute Differenz: −12,7 [95-%-KI: −20,0 bis −5,4] Prozentpunkte). Diese Unterschiede waren signifikant.
Die aktuelle Studie liefert also Belege dafür, dass aktualisierte Leitlinien zur Säuglingsernährung zu einer messbaren Verringerung der Prävalenz der Hühnereiallergie in der Bevölkerung geführt haben.
»Die Lehre aus dieser Geschichte ist nicht nur, dass Wissenschaft sich selbst korrigiert«, resümieren die Autor:innen. »Sie zeigt auch, dass der ursprüngliche Fehler vermeidbar gewesen wäre.« Künftige Empfehlungen sollten deshalb den Grad der Evidenz transparenter ausweisen und regelmäßig überprüft werden.
Quelle: Koplin, J. J., Shifti, D. M., Soriano, V. X., Wijesuriya, R., Moreno-Betancur, M., Odoi, A., Ponsonby, A. L., Perrett, K. P., Lowe, A. J., Tang, M. L. K., Allen, K. J., Dharmage, S. C., & Peters, R. L. (2026). Egg Allergy Prevalence Before and After Guidelines for Earlier Egg Introduction. JAMA pediatrics, e262080. Advance online publication. https://doi.org/10.1001/jamapediatrics.2026.2080 · Deutsches Ärzteblatt, 23.6.2026 · DHZ

