Eine prophylaktische Tranexamsäure-Gabe nach dem Kaiserschnitts kann postpartale Blutungen bei Placenta praevia reduzieren, ohne zusätzliche schwere Nebenwirkungen zu verursachen. Foto: © iStock.acom/WHPics

Eine prophylaktische Gabe von Tranexamsäure unmittelbar vor einem Kaiserschnitt kann bei Schwangeren mit Placenta praevia das Risiko postpartaler Blutungen senken. Dies zeigt eine randomisierte Studie aus China, in der kein Anstieg schwerwiegender Komplikationen beobachtet wurde.

Chinesische Forschende untersuchten in einer randomisierten Studie, ob Tranexamsäure auch bei Schwangeren mit Placenta praevia die Blutungsrate nach einem Kaiserschnitt senken kann.

Infusion mit Tranexamsäure vs. Placebo

Zwischen Juli 2023 und März 2025 wurden an 24 Geburtskliniken insgesamt 1.694 Schwangere mit Placenta praevia randomisiert einer intravenösen Infusion von Tranexamsäure oder einem Placebo zugeteilt. Bei 17,9 % der Teilnehmerinnen bestand zusätzlich eine Plazenta-accreta-Störung.

Die zehnminütige Infusion begann fünf Minuten nach dem Abklemmen der Nabelschnur. Dieser Zeitpunkt wurde gewählt, da Tranexamsäure die Plazenta passieren kann und eine Exposition des Neugeborenen vermieden werden sollte. Darüber hinaus erhielten alle Teilnehmerinnen unmittelbar nach der Entbindung prophylaktisch Oxytocin, das ebenfalls blutstillend wirkt.

Als primärer Endpunkt wurde eine schwere postpartale Blutung definiert. Diese lag vor bei einem Blutverlust von mindestens 1.000 ml oder bei der Notwendigkeit einer Erythrozytentransfusion innerhalb von zwei Tagen nach der Entbindung.

Verringerung schwerer Blutungen

Wie die Arbeitsgruppe um Dunjin Chen von der Universität Guangzhou berichtet, trat der primäre Endpunkt in der Tranexamsäure-Gruppe bei 251 von 845 Frauen (29,7 %) auf. In der Placebo-Gruppe waren 297 von 846 Frauen (35,1 %) betroffen.

Das relative Risiko betrug 0,85. Das 95,2-%-Konfidenzintervall lag zwischen 0,75 und 0,96 und zeigte damit einen statistisch signifikanten Vorteil zugunsten der Tranexamsäure. Die »Number needed to treat« lag bei 19 (95-%-Konfidenzintervall: 10 bis 104). Demnach müssen 19 Schwangere behandelt werden, um eine schwere postpartale Blutung zu verhindern.

Auch hinsichtlich der Sicherheit zeigten sich keine Unterschiede zwischen den Gruppen. Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse wurden sowohl unter Tranexamsäure als auch unter Placebo bei jeweils 0,5 % der Teilnehmerinnen registriert.

Trotz der moderaten Reduktion der Blutungsrate bewerten die Forschenden die Ergebnisse als weltweit klinisch relevant. Zwar seien Todesfälle infolge schwerer postpartaler Blutungen inzwischen selten. Dennoch könne ein hoher Blutverlust nach der Geburt bestehende Anämien verschlechtern, von denen viele Frauen im gebärfähigen Alter betroffen seien.

Quelle: Zhang, L., Bi, S., Chen, L., Du, L., He, F., Qiao, Y., Li, Z., Zeng, W., Zhao, X., Chen, X., Li, X., Ding, G., Zhou, W., Sun, B., Guo, Q., Guo, X., Jin, F., Wang, X., Zhu, Q., … Chen, D. (2026). Prophylactic tranexamic acid for the prevention of postpartum haemorrhage in women with placenta praevia: Multicentre, double blind, randomised, placebo controlled, phase 3 trial. BMJ, 393, e089636. https://doi.org/10.1136/bmj-2026-089636 ∙ Deutsches Ärzteblatt, 11.6.2026 ∙ DHZ