Hat die Einnahme von Paracetamol in der Schwangerschaft Einfluss auf die Eierstockentwicklung neugeborener Mädchen? Foto: © iStock.com / fotolgahan

Paracetamol gilt als bewährtes und gut verträgliches Analgetikum und Antipyretikum, wobei der Wirkmechanismus noch nicht vollständig geklärt ist. Paracetamol ist plazentagängig und zählt während jeder Phase der Schwangerschaft zu den Analgetika der Wahl, wobei während des ersten und zweiten Trimenon Ibuprofen als besser geeignete Alternative benannt wird (Embryotox, 2026).

Eine aktuelle Beobachtungsstudie aus Dänemark liefert erweiterte Einblicke zu möglichen Auswirkungen einer Paracetamoleinnahme während der Schwangerschaft (Fischer et al., 2026). Untersucht wurde, ob eine mütterlichen Paracetamoleinnahme während der Schwangerschaft Einfluss auf die ovarielle Funktion neugeborener Mädchen hat. Hierzu wurde zwischen März 2000 bis November 2022 die COPANA-Studie (Copenhagen Analgesic Study) als prospektiv beobachtende Kohortenstudie am Copenhagen Rigshospitalet in Dänemark durchgeführt.

Eingeschlossen wurden 685 gesunde Frauen in der Frühschwangerschaft. Während der Schwangerschaft wurde zweiwöchentlich der Umfang der Paracetamoleinnahme sowie der Anteil an ausgeschiedenem Paracetamol im Urin der Frauen untersucht. Nach der Geburt wurden alle 302 weiblichen Neugeborenen nachuntersucht. Die untersuchten neugeborenen Mädchen wurden in drei Gruppen eingeteilt: Weibliche Neugeborene, deren Mütter vor der 17. SSW Paracetamol einnahmen (Gruppe 1, n=92), weibliche Neugeborene, deren Mütter nach der 17. SSW Paracetamol einnahmen (Gruppe 2, n=67) und weibliche Neugeborene, deren Mütter kein Paracetamol einnahmen (Gruppe 3, n=143).

Geringeres Eierstock- und Gebärmuttervolumen

Mädchen der Gruppe 1 hatten im Vergleich zu Mädchen der Gruppe 3 ein geringeres Eierstockvolumen von −0,11 cm³ (95-%-Konfidenzintervall −0,19 bis −0,03) und ein geringeres Gebärmuttervolumen von −0,18 cm³ (95-%-Konfidenzintervall −0,35 bis −0,01).

Weniger Eierstockfollikel

Mädchen der Gruppe 2 hatten im Vergleich zu Mädchen der Gruppe 3 durchschnittlich 1,05 Eierstockfollikel weniger (95-%-Konfidenzintervall −1,71 bis −0,39). Die Paracetamolkonzentration im mütterlichen Urin stand in umgekehrten Zusammenhang zum Eierstock- und Gebärmuttervolumen der untersuchten Mädchen.

Die Autor:innen benennen verschiedene Einschränkungen und Limitierungen der Studie. Das beobachtende Studiendesign ermöglicht lediglich die Beobachtung von Zusammenhängen zwischen einer Exposition und beobachteten Ergebnissen. Somit können auch andere Faktoren zum Ergebnis beigetragen haben, die jedoch nicht untersucht wurden. Eine Verfälschung der Ergebnisse kann nicht ausgeschlossen werden.

Sie interpretieren die Ergebnisse jedoch als Hinweise auf Unterschiede in der Eierstockentwicklung neugeborener Mädchen nach mütterlicher Paracetamoleinnahme während der Schwangerschaft. Dies wird durch eine unabhängige Begleitstudie gestützt, die ebenfalls ein geringeres Eierstock- und Gebärmuttervolumen bei diesen Mädchen feststellte. Es bleibt unklar, ob diese Unterschiede, die sehr früh aufgezeigt wurden, langfristig klinisch bedeutsam sind. Hierzu wird weitere Forschung empfohlen.

Links: Embryotox. (2026). Paracetamol. Abgerufen am 07.10.2026 von https://www.embryotox.de/arzneimittel/details/ansicht/medikament/paracetam 

Quelle: Fischer, M. B., Mola, G., Sundberg, K., Scheel, L., Wraae, K. B., Rom, A. L., Frederiksen, H., Anderson, R. A., Assens, M., Andersson, A.-M., Priskorn, L., Petersen, J. H., Hegaard, H. K., Main, K. M., Kristensen, D. M., Juul, A., & Hagen, C. P. (2026). Fetal exposure to paracetamol is associated with altered markers of ovarian development and reduced uterine volume in girls: The COPANA study. Human Reproduction Open, 2026(3), hoag073. https://doi.org/10.1093/hropen/hoag073 · Beate Ramsayer/DHZ

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