Strahlende Gesichter der fünf Preisträgerinnen des Ellen-Ammann-Preises: Beatrix Kozjak-Storjohann (2. v. l.) vom Uniklinikum Erlangen hat den Hauptpreis entgegengenommen von Birgit Kainz (3. v. l.), Vorsitzende des Katholischen Deutschen Frauenbundes Landesverband Bayern e. V. Foto: © KDFB/Remagen
Für ihr herausragendes Engagement in der würdevollen Begleitung von Müttern und Vätern nach Fehl- und Totgeburten wurde Beatrix Kozjak-Storjohann, Leiterin des Psychosozialen Dienstes der Geburtshilfe in der Frauenklinik des Uniklinikums Erlangen, mit dem Ellen-Ammann-Preis des Katholischen Deutschen Frauenbundes Landesverband Bayern e. V. ausgezeichnet.
Die Preisverleihung fand bei einem Festakt im Bayerischen Landtag in München statt. Beatrix Kozjak-Storjohann erhielt den diesjährigen Hauptpreis; vier weitere Frauen wurden ebenfalls für ihr Engagement mit dem zweiten bis fünften Preis geehrt.
Schon als junge Frau erkannte Beatrix Kozjak-Storjohann, wie wichtig eine einfühlsame Trauerbegleitung von Eltern bei frühem Kindsverlust ist. Als Krankenschwester in der Frauenklinik des Uniklinikums Erlangen ermöglichte sie bereits in den 1990er-Jahren Müttern und Vätern, die eine Fehl- oder Totgeburt erlitten hatten, sich würdevoll von ihrem Kind zu verabschieden – und stellte sich damit bewusst gegen den damaligen Zeitgeist.
Seit 2008 leitet Beatrix Kozjak-Storjohann den Psychosozialen Dienst der Geburtshilfe in der Frauenklinik, an dessen Aufbau sie maßgeblich beteiligt war. Sie betont: »Heute wissen wir – auch dank der Forschung , dass es keine eindeutige Empfehlung für den klinischen Umgang nach dem frühen Verlust eines Kindes geben kann. Das interprofessionelle Klinikteam trägt dafür Sorge, dass Eltern umfassend über die Möglichkeiten der Abschiedsgestaltung informiert werden und einen geschützten Rahmen vorfinden, um eine für sie stimmige Entscheidung treffen zu können.«
Mut zur Menschlichkeit
»Noch vor wenigen Jahrzehnten wurde es Eltern mit frühem Kindsverlust meist verwehrt, ihr verstorbenes Kind noch einmal zu sehen. Dabei kann diese Begegnung helfen, den Verlust und den Schmerz zu verarbeiten«, erklärt Beatrix Kozjak-Storjohann. Gemeinsam mit den Kolleginnen aus dem Team des Psychosozialen Dienstes der Geburtshilfe begleitet sie heute Mütter und Väter, die während der Schwangerschaft ein Kind verloren haben, eine Risikoschwangerschaft erleben oder sich einer Kinderwunschbehandlung unterziehen. »Jeder Trauerprozess ist einzigartig. Wir wollen die Betroffenen daher darin unterstützen, ihren tiefen Schmerz auf ihre ganz individuelle Weise zu bewältigen.«
Auch die Wanderausstellung »Tod am Anfang des Lebens«, die Beatrix Kozjak-Storjohann mit weiteren Vertreter:innen der Erlanger Frauenklinik, der Stadt Erlangen und dem Hospiz Verein Erlangen e. V. konzipiert hat, leistet einen Beitrag dazu.
Kraft für die Zukunft
»Die Auszeichnung ist eine große Ehre und setzt ein wichtiges Zeichen für einen offenen und mitfühlenden Umgang mit frühem Kindsverlust«, sagte Beatrix Kozjak-Storjohann nach der Preisverleihung. »Der Ellen-Ammann-Preis bestärkt mich und mein Team darin, unsere Arbeit weiterhin mit Herz und Überzeugung zu tun – und gibt mir Kraft für die Zukunft.«
Neben ihrer Tätigkeit am Uniklinikum Erlangen führt Beatrix Kozjak-Storjohann eine eigene Praxis für Psychotherapie in Gynäkologie und Geburtshilfe. Sie ist examinierte Krankenschwester, Heilpraktikerin für Psychotherapie sowie Pflege- und Sprechwissenschaftlerin. Als Doktorandin am Lehrstuhl für Geschichte der Medizin der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg forscht sie zum perinatalen Verlust älterer Frauen.
Preis für frauenpolitische Verdienste
Alle zwei Jahre würdigt der Katholische Deutsche Frauenbund, Landesverband Bayern e. V. mit dem nach seiner Gründerin benannten Ellen-Ammann-Preis Persönlichkeiten, die sich für die Gleichberechtigung und die Chancengleichheit von Frauen in Kirche, Politik, Gesellschaft und Wirtschaft in besonderem Maße verdient gemacht haben. Der Hauptpreis ist mit 2.000 Euro dotiert; dazu wird die Ellen-Ammann-Kamee verliehen – ein eigens für diesen Anlass entworfenes Schmuckstück.
Quelle: Uniklinikum Erlangen, 4.7.2025 · DHZ
