Frauengesundheit in Deutschland sichtbarer, wirksamer und politisch stärker zu verankern ist das Ziel der Allianz für Frauengesundheit. Foto: © Sangiao_Photography/stock.adobe.com
Die Allianz für Frauengesundheit will die Gesundheit von Frauen in Deutschland sichtbarer machen und politisch stärker verankern. Das sektorenübergreifende Bündnis aus Wissenschaft, Versorgung, Forschung, Wirtschaft und Industrie wurde in Berlin offiziell gegründet.
In den kommenden Monaten will die Allianz Handlungsbedarfe priorisieren und konkrete Lösungsvorschläge erarbeiten. Diese sollen in die Eckpunkte einer möglichen nationalen Frauengesundheitsstrategie einfließen. Der Politik will das Bündnis aufzeigen, welche Veränderungen im deutschen Gesundheitssystem notwendig sind.
Bei der Gründungsveranstaltung war mehrfach von einem »historischen Schritt« die Rede. Mehrere Rednerinnen erklärten, man »schreibe Geschichte«. Sie kritisierten die anhaltenden Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern in Forschung, Diagnostik und Versorgung. Frauen seien in der Medizin weiterhin systematisch unterversorgt; geschlechtsspezifische Unterschiede seien für zahlreiche Erkrankungen wissenschaftlich belegt.
»In Deutschland gibt es bereits viel Wissen, starke Initiativen und Menschen, die Frauengesundheit seit Jahren vorantreiben«, sagte Cornelia Wanke, Ökonomin und Mitinitiatorin der Allianz. Das Bündnis solle diese Kräfte bündeln. »Frauengesundheit ist kein Nischenthema, sondern zentrale Frage einer zukunftsfähigen und gerechten Gesundheitsversorgung.« Ziel sei es, Frauen in allen Lebensphasen zu stärken und eine selbstbestimmte Gesundheitsgestaltung zu fördern.
Unterstützung aus der Bundesregierung
Christiane Schenderlein (CDU), Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium, begrüßte die Gründung. Die Stärkung der Frauengesundheit entspreche den Zielen des Ministeriums. Die Gesundheitsversorgung müsse geschlechtsspezifische Unterschiede stärker berücksichtigen. Der männliche Körper dürfe nicht länger als medizinische Norm gelten.
»Krankheiten äußern sich unterschiedlich. Medikamente wirken unterschiedlich. Risiken verteilen sich unterschiedlich, je nach biologischem Geschlecht und sozialen Realitäten«, sagte Schenderlein. Wer diese Unterschiede ignoriere, riskiere Fehldiagnosen. Geschlechtersensible Medizin sei daher »ein Qualitätsmerkmal moderner Gesundheitsversorgung«.
Der Koalitionsvertrag sehe vor, geschlechtsspezifische Unterschiede in Versorgung, Prävention und Forschung stärker zu berücksichtigen und Diskriminierung abzubauen. Dies sei »ein klarer Auftrag« für mehr Forschung, bessere Daten und eine gerechte Medizin.
Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) habe deshalb einen Förderschwerpunkt Frauengesundheit eingerichtet. Gefördert würden Projekte zur patientinnenzentrierten Versorgung sowie wissenschaftliche Nachwuchsgruppen in der Versorgungsforschung für Frauen. Die Projektauswahl soll in Kürze veröffentlicht werden, der Start ist für Anfang 2027 geplant. Nach drei beziehungsweise fünf Jahren werden Ergebnisse erwartet, die Forschungslücken schließen könnten.
Wissenschaftlicher Beirat begleitet die Allianz
Ein interdisziplinärer wissenschaftlicher Beirat unterstützt die Allianz. Er vereint Fachleute unter anderem aus Gesundheitsökonomie, Versorgungsforschung, Gynäkologie, Public Health, psychischer Gesundheit, Digitalisierung, Künstlicher Intelligenz und Pflege.
»Für nachhaltige Veränderungen reicht es nicht, Versorgungslücken zu benennen«, sagte Clarissa Kurscheid, Initiatorin der Allianz und Expertin für Versorgungsforschung. Auf Grundlage belastbarer Evidenz müsse untersucht werden, wo strukturelle Defizite entstünden und welche Ansätze wirksam seien. Der Beirat solle die Frauengesundheit über den gesamten Lebensverlauf betrachten und medizinische, strukturelle sowie gesellschaftliche Perspektiven einbeziehen.
Quelle: Deutsches Ärzteblatt, 23.9.2026 ∙ DHZ
