Umstrittenes Thema: Verschiedene US-Biotech-Unternehmen forschen aktuell zu Geneditierung an Embryonen, um Erbkrankheiten zu verhindern. Foto: © Cecilia/stock.adobe.com/ KI generiert

Mehrere US-amerikanische Biotech-Start-ups arbeiten derzeit an Verfahren zur gezielten Veränderung des Erbguts menschlicher Embryonen, darunter Manhattan Genomics und Preventive. Ziel ist nach eigenen Angaben, vererbbare Erkrankungen zu verhindern, etwa Mukoviszidose oder Sichelzellenanämie.

»Biotech-Barbie«

Die Mitgründerin von Manhatten Genomics, Cathy Tie, habe mit ihren circa 30 Jahren bereits mehrere Biotech-Firmen gegründet, wie das Fachmagazin Nature schreibt. Dort wird sie auch als »Biotech-Barbie« bezeichnet.

Laut dem MIT Technology Review ist Tie zudem Partnerin beim sogenannten Los Angeles Project. Dort sollen demnach leuchtende Kaninchen und Einhörner erschaffen werden – letztere, indem Pferdeembryos Gene von Hörnern eingesetzt werden.

Umstrittener Ansatz

Welche Techniken bei der Genomeditierung im Detail verwendet und welche Krankheiten genau im Fokus stehen, lassen sowohl Preventive als auch Manhattan Genomics weitgehend offen.

Fachleute warnen vor erheblichen Risiken und ethischen Problemen. Eingriffe in die menschliche Keimbahn könnten unbeabsichtigte Mutationen auslösen und langfristige Folgen für kommende Generationen haben.

Die Technologie sei noch nicht ausgereift, sagte Junjiu Huang, ein chinesischer Biologe, der 2015 als Erster das Erbgut von menschlichen Embryonen verändert habe, allerdings ohne sie danach einer Frau einzusetzen. Außerdem fehlen laut des Biologen ein gesellschaftlicher Konsens und ausreichend rechtliche Rahmenbedingungen für den Einsatz – wichtige ethische Rahmenbedingungen.

Erste Crispr-Babys

Seit 2018 wird über die Möglichkeit der Geneditierung öffentlich diskutiert. Der chinesische Forscher He Jiankui veränderte damals das Erbgut zweier Embryos mittels der Genschere Crispr, um die Kinder gegen HIV zu immunisieren. Die Empörung darüber war groß: Jiankui verlor seinen Job und wurde zu drei Jahren Gefängnis verurteilt.

Befürworter der Technologie begründen die aktuelle Forschung damit, dass die Methoden zur Geneditierung seit den Crispr-Babys von He Jiankui wesentlich präziser geworden seien. Den Verantwortlichen scheint aber bewusst, wie umstritten ihre Mission ist.

Die Unternehmen betonen, dass ihre Arbeiten bislang präklinisch seien und nur an gespendeten, nicht implantierten Embryonen erfolge. Sicherheits- und Ethikrichtlinien würden streng beachtet. Preventive äußert sich dazu: »Wir werden diese Technologie nicht für den klinischen Einsatz am Menschen weiterentwickeln, wenn die Sicherheit nicht durch umfangreiche Forschung nachgewiesen werden kann. Wir werden keine Kompromisse bei den Sicherheitsstandards eingehen, um den Zeitplan zu beschleunigen.«

Quelle: Deutsches Ärzteblatt, 7.11.25 · DHZ

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