Als Erweiterung der neonatologischen Intensivstation entstehen auf dem Dach des Rems-Murr-Klinikums in Winnenden bis 2028 spezielle Rooming-In-Apartments, in denen Eltern ihr Neugeborenes nicht nur besuchen, sondern rund um die Uhr zusammen mit den Fachteams betreuen.
»Was in Skandinavien bewährte Praxis ist und frühgeborene Babys fit fürs Leben macht, schaffen wir jetzt auch im Rems-Murr-Kreis. Darüber freue ich mich sehr, denn gesunde Familien sind unsere Zukunft und müssen uns etwas wert sein«, sagt Landrat Dr. Richard Sigel, Aufsichtsratsvorsitzender der Rems-Murr-Kliniken. »Das Winnender Projekt der entwicklungsfördernden familienzentrierten Pflege ist einzigartig in der Region und ergänzt unser breites Gesundheitsangebot für die Kleinsten – von der Geburtshilfe und Intensivversorgung im Klinikum bis zur Kinderarzt-Praxis in Backnang. Mein herzlicher Dank gilt dem ganzen Klinikteam für die engagierte Planung und Umsetzung dieses Pilotprojekts zur Starthilfe für Frühchen. Und beim Stichwort Starthilfe möchte ich insbesondere den beiden Waiblinger Stiftungen danken, ohne deren großzügige Unterstützung wir eine solche Zukunfts-Investition angesichts der aktuellen finanziellen Herausforderungen nicht zusätzlich stemmen könnten.«
Rund 3 Millionen Euro kostet es, die Pflege-Apartments samt Infrastruktur und Anbindung an die Neonatologie zu errichten. Die Eva Mayr-Stihl-Stiftung unterstützt den Bau mit 1,65 Millionen Euro, die Stiftung der Kreissparkasse fördert das Projekt mit weiteren 1,30 Millionen Euro.
Wie sieht die künftige Rooming-in-Station aus?
»Wir schlagen eine kleine Brücke von unserer Neonatologischen Intensivstation auf das Flachdach Richtung Zipfelbach und schließen dort zwei neue Eltern-Apartments mit Bad und Küchenzeile an«, berichtet Klinik-Geschäftsführer André Mertel, der so die Versorgung der Kleinsten zukunftsfähig ausbaut. »Mit dem Perinatalzentrum Level 1, in dem sich Geburtshilfe und Neonatologie Tür an Tür verzahnen, haben wir einen Meilenstein unserer Medizinkonzeption erreicht und stetig weitere Wegmarken hinzugefügt: Wir sind in Baden-Württemberg das einzige zertifizierte Perinatalzentrum nach Perizert, was uns exzellente Strukturen und hohe fachliche Kompetenz bescheinigt. Das Diagnostik- und Behandlungsspektrum der Neonatologie wird flankiert von einer der fünf deutschlandweit größten Frauenmilchbanken zur Versorgung bedürftiger Babys mit Spendermilch und von der Sozialmedizinischen Nachsorge ›Bunter Kreis‹ für die Weiterbetreuung zuhause«, so Mertel. »Die entwicklungsfördernde Pflege ist nun das i-Tüpfelchen, denn wir bauen damit den Rahmen, damit Familien zusammenwachsen und sich gut entwickeln. […]«
Sein interprofessionelles Team versorgt Frühgeborene ab der Grenze der Lebensfähigkeit, also etwa von der 23. Woche an. Dass speziell diese Babys vom neuen Betreuungskonzept profitieren und sich gesünder entwickeln, lässt sich belegen, sagt Prof. Ralf Rauch, Chefarzt der Kinderklinik. Denn unter dem Namen NIDCAP (Newborn Individualized Developmental Care and Assessment Program) sei dieses Konzept seit 1984 weltweit erprobt. »Die Vorteile, die wir in Europa vor allem in schwedischen Kliniken sehen, werden künftig auch unsere Patienten spüren. Wir haben nach schwedischem Vorbild bereits die 1:1-Betreuung durch nur eine Pflegekraft pro Baby für besonders gefährdete Kinder etabliert und weitere Verbesserungen umgesetzt. Dadurch sind unsere medizinischen Ergebnisse bereits jetzt überdurchschnittlich und sollen nun noch besser werden.«
Weitere Vorteile der entwicklungsfördernden Pflege: Die Eltern werden engmaschig in Therapien eingebunden, können ihr Kind besser einschätzen und oft früher nach Hause mitnehmen. Familien werden nicht mehr auseinandergerissen, was sich günstig auf die Entwicklung der Geschwisterkinder und die bei Frühgeborenen-Eltern erhöhte Scheidungsrate auswirken kann. Studien deuten auch auf langfristige Vorteile dieses Konzepts für die Entwicklung von Frühgeborenen hin, insbesondere für kognitive Fähigkeiten und Verhaltensanpassungen. »Die entwicklungsneurologischen Effekte bis hinein ins Kindesalter sind beeindruckend und durch Studien belegt«, sagt Prof. Rauch. »Dank dieser Form der Pflege überleben Frühgeborene signifikant häufiger ohne Behinderungen, und sie haben später signifikant weniger kognitive und mentale Einschränkungen oder Aufmerksamkeitsstörungen.«
Quelle: Pressemitteilung Rems-Murr-Kliniken, 14.1.2026 · DHZ
